Home-Office #elternedition

Inspiriert durch Alu´s Beitrag von Großköpfe bin ich auf die Blogparade von glücklichscheitern aufmerksam geworden. Die Frage lautet: Wie funktioniert das mit dem Home-Office als Elter bzw. als Eltern. Genau meine Frage zur Zeit – Lösungen teste ich seit fast vier Jahren. Ich habe zwei Kinder in dieser Zeit bekommen, bin immer selbstständig gewesen. Ich unterscheide verschiedene Phasen im Home-Office der Elternedition, die mal mehr oder mal weniger gut funktionieren:

Phase a) Newborn – getragen und gut

Ja Newborn. Also Neugeborenes. Frischling – nennt es wie ihr wollt. Ich hatte auch mit Newborn Nummer 1 sofort Lust und Laune weiter zu arbeiten. Ich saß also 11 Tage nach Entbindung das erste Mal am Schreibtisch, ich wollte eine Ausschreibung fristgerecht einreichen, sonst wäre mir in der Folgezeit nach dem Mutterschutz ein Auftrag durch die Lappen gegangen. So eine Ausschreibung braucht Zeit, auch Kontakte pflegen und halten. Das ist auch alles Arbeit, wenn auch keine direkt bezahlte, aber eine, die dringend auch in der Elternzeit oder im Mutterschutz mal erledigt werden möchte. Die Aufträge werden nur in bestimmten Zeitspannen vergeben, wer das versäumt hat auch mal fix ein Jahr lang nichts zu tun. Bis zur nächsten Ausschreibung. Ich saß also mit Newborn am Schreibtisch, der Abstand zur Tastatur ähnlich weit wie mit Bauch und Baby innendrinnen. Das ist die Phase wo das Arbeiten m.E. gut funktioniert und man mit schlafendem Baby auch mal drei Stunden am Stück echt was schaffen kann. Gut, während des Stillens kann man auch Mails beantworten oder mal etwas Lesen, aber „produktives“ Arbeiten geht in der Newborn-Phase echt noch ganz easy.

(Wohlgemerkt: hier mit nur einem Kind, mit zwei Kindern ist es eine Mischung aus Phase A und E. – Wobei beim Milchmädchen in der Newborn-Zeit auch nur sehr wenig ans Arbeiten zu denken war, da ich mit zwei Gallenkoliken, Leber- und Bauchspeicheldrüsenentzündung und letztendlicher Gallen-Entfernung genug Zinnober hatte im Wochenbett…)

Phase b) Baby, dass sich noch nicht viel bewegt und noch nicht krabbelt

In dieser Phase mit einem Kind zu arbeiten, geht auch noch, es geht auch noch tagsüber. Es geht beim Stillen, man kann an Konferenzen teilnehmen. (Hier hatte ich mal meine erste Dienstreise allein mit einem ersten Kind verbloggt.) Häufig war das Kind mit Papa damals unterwegs und wurde mir nur zum Stillen gebracht in den Pausen, auch im Home-Office, denn bei K1 war der Papa da in Elternzeit. Das erste Baby war ein ruhiger Geselle, lag lange und ist erst mit 10 Monaten los gekrabbelt – es war entspannt, das Büro taugte lange als „Roll-Fläche“. Mit der Tochter war es anders – die ist mit 10 Monaten los gelaufen und hat sich mit 8 Monaten überall hoch gezogen und hat damit Phase B früher beendet als gedacht. Weiterhin hat der Papa bei ihr keine Elternzeit gehabt, somit klebte sie mehrheitlich an mir und wir klebten zusammen am Schreibtisch.

Phase c) Arbeiten im Home-Office mit Baby, dass sich bewegt, krabbelt und läuft

Gibt es nicht! Nee ehrlich, die gibt es nicht. Das geht nicht. Die zerren alle Ordner aus dem Schrank, du kannst versuchen das Büro Kindersicher zu machen, Spielzeug anbieten etc. – das läuft nicht, denn interessant ist, was nicht bespielt werden soll. Und sie finden immer was. Bleibt also: Die Schlafzeit. Ok – hab ich oft gemacht, es gibt viele Bilder wo ich in den ein bis (selten) 3 Stunden Schlaf am Tag etwas geschafft habe. Ich habe mir damals extra taugliche Büro-Hocker gekauft, mit denen ich wippen oder das Baby auf dem Rücken (denn meine waren zu schwer für vorn und mussten mit 10 kg und damit mit spätestens 6 Monaten nach hinten umziehen) getragen haben. Ab da beginnt die Sache mit dem Home-Office echt ungemütlich zu werden. Weil du zu nichts, aber auch gar nichts wirklich kommst. Weil die Phasen des „Am-Stück-was-schaffen“ fehlen oder sich in die Abendstunden verlagern. Und da bist du müde. Jedenfalls ich. Denn da hast du ja dann schon einen Tag lang 1-2 Kinder versorgt, gestillt, die Beikost-Schlacht gewonnen oder verloren (das mache ich nur am Zustand der Küche fest, nicht an den Mengen die das Baby verzehrt hat), dir die Nächte um die Ohren gestillt, den Haushalt gemacht, die Hausarbeit, die Care-Arbeit, die Gartenarbeit usw. – da willst du schlafen. Und zwar jede Sekunde, wo das Baby auch schläft. Es ist ja nicht so, dass es locker flockig mal ne Nacht durch schläft. Hab gehört es gibt solche Kinder – ich gönne es den Eltern auch – ich hatte nur nicht das Glück. Bzw. wir hatten das Glück nicht. Wenn ich dann abends im Home-Office was machen wollte, dann musste Papa ran, das Baby halten und kuscheln oder mit ihm spielen. Phase C ist wirklich sehr bescheiden und ermüdend – vor allem ist die von absolutem Chaos im Home-Office und um es herum geprägt, weil die Zwerge so zwischen 6 und 12 Monaten so unglaublich viel entdecken und begreifen oder raus zerren müssen…

 

Phase D – Arbeiten im Home-Office mit Krippenkind ü1

Denn: Man muss es natürlich erstmal zum Krippenplatz schaffen. Planungssicherheit ist hier das Zauberwort. In den drei Phasen davor, haben wir uns natürlich noch aus dem Home-Office heraus, um diesen Krippenplatz bemüht. Beim Großkind ein Drama. Wir wussten nämlich zum Eisprung noch nicht, wo wir mit K1 dann mal leben werden, wenn er geboren sein würde. Wir sind also von einer Stadt in die andere gezogen – damit können Behörden nicht umgehen. Es überfordert sie. „Wie sie haben den nicht sofort angemeldet als er auf der Welt war????“ „Äh nee, wir sind letzte Woche hier her gezogen, das Kind ist vier Monate, wir benötigen einen Platz ab einem Jahr“ „Na so schnell geht das nicht – das ist jetzt alles schon weg!“ Und los ging sie die Odyssee… In Phase D, das Kind 1 war also bereits ü1, und wir hatten KEINEN Krippenplatz, der Mann hatte Arbeit in Teilzeit, ein Teilzeit Studium und ich: Selbstständig und ebenfalls Teilzeitstudium. Nachmittags, Nachts und am Wochenende. Irgendwie. Denn mit ü1 eigentlich Krippenkind, ist das Homeoffice dann so richtig am Arsch. Es sei denn, Oma kann helfen und das Kind bespielen. Wir hatten dann die Aussicht auf einen Krippenplatz, da wäre das Kind schon 1,5 Jahre gewesen. Gut, sagten wir uns. Dann kann der Mann am Wochenende eben nicht seinem Hobby nachgehen und muss aufs Kind aufpassen, während ich meine Aufträge abarbeite (Vielleicht sollte ich nochmal kurz erwähnen, dass mir meine Arbeit wirklich Spaß macht, es sich also durchaus lohnte, das alles so auf sich zu nehmen.) Der Mann ging also zum Freizeitverein und sagte, er können nicht mehr am Wochenende an den Spielen teilnehmen, er müsse aufs Kind aufpassen. Unmöglich, sagt sein Trainer und lies alle seine Beziehungen spielen, ohne unser Wissen. Drei Tage später hatten wir einen Krippenplatz. Das Kind war knapp 15 Monate. Ich fasse also zu unserer Planungssicherheit zusammen: Wir haben diesen Platz nicht bekommen, weil ich, die Mutter,  arbeiten wollte, oder der Vater arbeiten wollte, sondern damit er am Wochenende spielen kann. Der Trainer wusste wo eine neue Krippe aufmachen würde, und wir durften zum Elternabend ganz kurzfristig und dann wurde gefragt, welche Kinder nächste Woche mit der Eingewöhnung anfangen würden – und da sich keiner meldete, meldeten wir uns und schwupp waren wir vorbei an sämtlichen Listen und all unsere Planungsfragen und Betreuungskarussell-Pläne hinfällig.

+++++++in dieser Phase gibt es keine Bilder, denn ins Büro kommst du nur, wenn das Kind wirklich betreut ist von Oma oder Papa oder anderen Vertrauenspersonen (hallo Fremdeln und Co – das Kind mal eben irgendwo abgeben völlig unmöglich)+++++++

Phase E setzt ein: Arbeiten mit abwesendem Krippen-/KiTa-Kind im Home-Office

In unserem Fall, bzw. meinem heißt das: Das Kind /die Kinder früh bis halb neun ungefähr in die KiTa bringen. Hin- und her fahren machen ca. 30 – 45 Minuten inklusive Abgeben – je nachdem wie gut das geht. Dann fix aufräumen, nebenbei Wäsche waschen und ab an den Rechner. Spätestens um drei Retour – also wieder 30 – 45 Minuten in die Stadt und zurück. Das ist ok und meistens bringt der Mann die Kinder oder holt sie auch, weil es bei ihm strategisch besser auf dem Weg liegt. Das heißt aber auch für mich: Wenn ich im Home-Office arbeite, bleiben mit Krippen-/ KiTakindern maximal 4-6 Stunden um effektiv etwas zu Schaffen (hin und wieder esse ich oder trinke Kaffee – oder starre auch mal einfach die Wand an). Abends bin ich dann zu platt, ich habe nachts noch ein Kleinkind das stillt und mich braucht. (…und dabei ist es egal, dass es stillt, selbst wenn es noch eine Flasche bräuchte oder einfach nur wach wäre, bräuchte es irgendwen, meistens mich!) Das „große“ Kind mit fast vier Jahren schläft immerhin durch, seit es so knapp 2,5 Jahre ist *jeahhhh*. Aber das abendliche Einschlafen hat zu dieser Zeit noch lang gedauert, genauso wie jetzt phasenweise beim Milchmädchen. Und wenn ich dann gegen 21.00 Uhr das erst Mal am Tag sitze ohne Kinder oder Arbeit, dann geht da nicht mehr viel. Der Mann arbeitet abends oft im Home-Office, aber der kann Nachts, obwohl er viel hilft, mehr Schlaf am Stück abgreifen als ich. Also der Schlaf, wo man mal die erholsame Tiefschlafphase erreicht – ich schrieb erst letzte Woche darüber 😉 Als Lehrer, der am Nachmittag mit Kindern die Prämisse #childrenfirst hat, bleibt dann nur abends Zeit um die Stunden zu planen oder Arbeiten zu korrigieren – immerhin das erheitert uns manchmal zusammen.

++++++ hier gibt es keine Bilder mehr mit Kind, in dieser Phase siehst du zu, dass du alles abarbeitest oder nebenbei noch bisschen was im Haushalt schaffst++++++

Ich denke es folgen nochmal weitere Phasen im Home-Office. Derzeit stagnieren wir in Phase E – das liegt am Alter der Kinder mit fast 4 und fast 2 Jahren. Am Wochenende, wenn die Kinder mit einem von uns am Vormittag raus gehen, kann der Andere ggf. noch was machen, wenn er es braucht oder sich gerade wünscht. Aber wenn alle drinnen sind, geht arbeiten nicht, denn die Zwerge wissen wo die Tür ist – und das ist dann auch o.k. so – auch wenn ich manchmal gern mehr schaffen würde. Aber das ist mein Anspruch an mich, den ich immer mal runter fahren muss. Eine Alternative wenn die Kinder krank (und im Winter waren sie das oft – siehe Noro´s Angriff auf die Vereinbarkeit) sind oder ich es mal brauche ist hier in Erfurt das Co-Working-Space KrämerLoft – da kann ich auch in Ruhe konzentriert arbeiten. Das ist wie Home-Office nur eben nicht Zuhause. Zeitfenster bleibt aber auch das gleiche aus Phase E. Genauso wie die Tatsache, dass ich abends in der Regel nichts mehr mache, weil meine Akkus dann leer sind.

An den Bildern erkennt ihr auch, dass unsere Schreibtische mit jeder Phase durchs Haus gewandert sind. Das hing mit unseren Bau-Aktivitäten zusammen und auch mit der Beweglichkeit und dem Bewegungsdrang der Kinder – das war bei beiden sehr unterschiedlich. In der Newborn-Phase habe ich meistens im Wohnzimmer oder aus einer Mischung aus Kinder-Wickel-Büro-Zimmer gearbeitet. Je nachdem wie fit die Kinder dann sind, ist das mit der Ordnung im Büro hinfällig.

Wie ist das bei euch: Wer arbeitet daheim? Selbstständig oder angestellt im Home-Office? Es gibt so viele spannende Lebensentwürfe – ich bin neugierig 🙂

Birgit

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